Lisa Wölfel (Leipzig)

Flederbild VI

Seit meiner Kindheit interessieren mich Fledermäuse, im Garten meiner Eltern flogen Sie abends um unsere Köpfe. Zusammen mit meinem Vater habe ich sie in der Dämmerung oft und lange beobachtet. Ich fand sie immer eigenwillig schön, ein komplexes Wunderwerk der Natur, wie es kein Künstler erfinden könnte. Gemalt habe ich sie immer wieder - auf Papier, Metall, Leinwand und Wände. Nun, da ihnen durch die Pandemie neue Aufmerksamkeit zuteil wurde, begleitet mich das Motiv erneut: Eine Hand hält das Fledertier. In den letzten Wochen habe ich in der Großstadt am Wasser, wieder viele von Ihnen fliegen sehen, mit der gleichen Perfektion wie eh und je.

Im Übrigen braucht es zur Übertragung der Viren immer einen sogenannten Zwischenwirt - die Fledermaus selbst ist somit für den Menschen nicht gefährlich, ein infizierter Mensch kann es jedoch für die Tiere sehr wohl sein. Diese Krise rüttelt gewaltig an vielen unseren Grundfesten, sie trifft die Gesellschaft ins Mark. Die Frage nach unserem Umgang mit der Natur drängt sich schmerzlich und mit einer neuen Dringlichkeit auf.

Lisa Wölfel, Mai 2020

www.lisa-woelfel.de

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